Mobbing am Arbeitsplatz erkennen. Gibt es einen Test?

Kategorie: Allgemein

Mobbing am Arbeitsplatz erkennen. Gibt es einen Test?

Mobbing am Arbeitsplatz erkennen ist oft ein schwieriges Unterfangen. Unser Anwalt für Mobbing am Arbeitsplatz beantwortet in diesem Artikel die Frage, wie man Mobbing erkennen kann und ob es einen Test gibt.

Der Autor Heinz Leymann liefert in seinem Buch „Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz“ eine Checkliste von circa 45 Indikatoren für Mobbing, welche nach 5 Kategorien unterteilt sind.

Dabei kommt es nicht darauf an, dass lediglich einzelne Punkte zutreffend sind. Entscheidend ist, ob in der Gesamtschau der einzelnen Handlungen oder Verhaltensweisen der Rückschluss auf eine Rechtsgutsverletzung gerechtfertigt ist.

Die Kategorisierung ist zunächst praktikabel. Zu beachten ist jedoch, dass hier ein striktes Kategoriendenken nicht angezeigt ist um Mobbing am Arbeitsplatz richtig zu erkennen. Vielmehr gehen in der Regel Angriffe mehrerer Kategorien Hand in Hand. Denn die betroffenen Lebensbereiche stehen in unmittelbarer Korrelation.

a) Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen

In der ersten Kategorie führt Leymann in Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz, den Verlust von Kommunikationsmöglichkeiten unter dem Vorwand der Konfliktbegrenzung mit Kollegen an. In dieser Kategorie geht der Zugang zu relevanten Informationen verloren. Gesprächsversuche führen unmittelbar zu gegenseitigen Vorwürfen, wobei das Mobbing-Opfer in der Regel eine unterlegene Rolle einnimmt.

  • Vorgesetzter schränkt die Möglichkeit ein, sich zu äußern
    • Durch Monopolisierung von Kontakten
    • Festlegung und Kontrolle der Zeitpunkte von Kontakten
  • Intensivierung der feindseligen Kommunikation durch Einschüchterung
    • durch Türen knallen,
    • Anschreien,
    • lautes Schimpfen.
  • Ständige Kritik an der Arbeit
  • Irreführende Kommunikation.
  • Nichtkommunikation bei gleichzeitiger nonverbaler missbilligender Kommunikation
    • durch abwertende Blicke
    • oder Gesten

b) Angriffe auf die sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz

Die Isolierung eines Mitarbeiters ist nach Leymann einer der bevorzugten Schachzüge jener „Menschen“, die jemanden psychisch terrorisieren möchten. Beispiele sind:

  • Ignoranz/Isolation indem
    • der Betroffene nicht mehr angesprochen wird;
    • geschlossenes Verlassen eines Raumes, sobald der Betroffene den Raum betritt
    • Anweisungen mit dem Betroffenen nicht mehr zu kommunizieren
    • Behandeln des oder der Betroffenen bei Gruppenansprachen wie Luft (Beispiel: B grüßt alle Mitarbeiterinnen, nur die A nicht.)

c) Angriffe auf das soziale Ansehen des Opfers

Diese Angriffe gehen Hand in Hand mit den Angriffen auf das soziale Ansehen des Opfers. Kommuniziert beispielsweise der Vorgesetzte nicht mit der oder dem Betroffenen, schwächt er damit zunächst das soziale Ansehen des Opfers innerhalb der Mitarbeitergruppe. Darüber hinaus erfolgt aber auch ein Angriff auf das soziale Selbstbewusstsein des Opfers in seiner Gesamtheit mit negativen Auswirkungen auf die sozialen Beziehungen außerhalb des Arbeitsplatzes.

Das soziale Ansehen ist unmittelbarer Ausdruck der sozialen Beziehungen eines Menschen. Durch Angriffe auf das soziale Ansehen versucht der Mobbing-Täter das Selbstvertrauen des Mobbing-Opfers systematisch zu untergraben. Leymann sieht den Grund für derartige Handlungen darin, dass es für den Mobbing-Täter wichtig ist, das eigene Ansehen zu stärken (Leymann, Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz, Rowohlt E-Book Seite 345). So habe der Täter regelmäßig Angst um das eigene Ansehen.

So versuche man „jemand anderes in den Augen der Umgebung in den Schmutz zu ziehen, um selbst aus der Schusslinie zu geraten“. Doch dies ist nur eines von vielen Motiven.

Leymann führt dazu im Einzelnen als Mobbing-Handlungen mit Bezug zum sozialen Ansehen in Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz auf:

  • Lächerlich machen
  • Respektlosigkeiten
  • Schlecht Reden hinter dem Rücken des Mobbing-Opfers
  • Über das Opfer in seinem Beisein herziehen, ohne dass es sich verteidigen kann

Diese Angriffe haben ihrerseits zur Folge, dass mit dem Wegbrechen des sozialen Ansehens innerhalb der Gruppe der Mitarbeiter das Selbstvertrauen des Opfers in seiner Gesamtheit geschwächt wird. Die Folge ist ein gesamtheitlich vermindertes soziales Selbstvertrauen, was letztlich auch die Schwächung der sozialen Beziehungen außerhalb des Arbeitsplatzes zur Folge hat.

d) Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation

Mit den oben genannten Angriffen gehen Belastungen der Berufs- und Lebenssituation einher, die Übergänge sind fließend. In den westlichen Ländern, so schreibt Leymann in Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz, definiert man sich über sein Berufsleben. So sei man Teil der Gesellschaft über sein Berufsleben.

„Wer am Arbeitsplatz mit Mobbing zu kämpfen hat, dem wird augenscheinlich das ganze Leben verleidet.“

e) Angriffe auf die Gesundheit

Letztlich stellen sich die bereits genannten Angriffe aufgrund der typischen Stress-Reaktion des Körpers und der daraus folgenden psychosomatischen Beschwerden auch als Angriffe auf die Gesundheit dar. Denkbar ist aber auch die Androhung von körperlicher Gewalt.

Leymann nennt in Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz, Rowohlt E-Book, S. 432, unter dieser Kategorie:

  • Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten
  • Androhung körperlicher Gewalt
  • Anwendung leichter Gewalt
  • Körperliche Misshandlung
  • Sexuelle Handgreiflichkeiten

Mobbing am Arbeitsplatz erkennen. Gibt es einen Test?

Falls noch weiterer Klärungsbedarf zu dem Thema „Mobbing am Arbeitsplatz erkennen. Gibt es einen Test?“ bestehen sollte, können Sie uns gern kontaktieren.

Weitere Informationen zu der Frage „Was kann ich tun bei Mobbing am Arbeitsplatz?“ finden Sie hier.

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