Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz für die Gesundheit

Kategorie: Allgemein

Welche Folgen hat Mobbing am Arbeitsplatz für die Gesundheit?

Mobbing am Arbeitsplatz hat regelmäßig negative Folgen für die Gesundheit des Mobbingopfers. Die körperliche Reaktion auf psychische Belastungen in Form von Mobbing-Handlungen ist ungesunder Stress. Medizinisch ist Mobbing beschreibbar als ein pathogenetischer Mechanismus als kumulative Traumatisierung (Fischer/Riedesser, Lehrbuch der Psychotraumatologie, [1998] S. 332). Die gesundheitlichen Folgen von Mobbing weisen eine unvergleichlich stärkere Intensität auf, als diejenigen, welche durch ein einziges belastendes Ereignis, wie beispielsweise das Erlebnis eines schweren Verkehrsunfallshervorgerufen werden (Groeblinghoff/Becker, A Case Study of Mobbing and the Clinical Treatment of Mobbing Victims, European Journal of Work and Organizational Psychology, 1996, S. 277 ff.).

Bei dem durch Mobbing entstehenden psychodynamischen Prozess sind psychische und psychosomatische – und vermittelt darüber körperliche Erkrankungen die regelmäßige Konsequenz. Aus leichteren unspezifischen und abschnittsweisen Befindlichkeitsstörungen können sich bei fortschreitendem Verlauf manifeste Krankheitssymptome, komplexe psychosomatische/psychiatrische Symptome im Sinne gravierender, chronifizierter und teils irrevisibler Gesundheitsschädigungen bis hin zur Schwelle zum Suizid und darüber hinaus entwickeln.

a) Mobbing am Arbeitsplatz: Auswirkungen die körperliche Gesundheit

Die körperlichen Auswirkungen sind mannigfaltig. Charakterisierend ist, dass nicht nur einzelne Symptome auftreten, sondern jeweils Gruppen von diesen Symptomen. Dies können sein: Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Magenbeschwerden, Herzrasen, Schlafstörungen, Schwindel, Magen-/Darmentzündungen, Muskelverspannungen, Geschwüre, Zusammenbrüche und Rückenschmerzen.

Charakteristisch ist dabei, dass die Symptome akut mit der Belastung am Arbeitsplatz in Korrelation stehen, also bei der Arbeit verstärkt auftreten. Das heißt beispielsweise bei erhöhtem Blutdruck, dass dieser in unmittelbarem Zusammenhang mit der Arbeit auftritt und nicht im Urlaub. Die Krankenkassen stellen bei dem Befund von Herzrasen oder erhöhtem Bluthochdruck in der Regel mobile Blutdruckmessgeräte zur Verfügung.

Möchte man herausfinden, ob die Symptome in Korrelation zum Arbeitsplatz stehen, bietet es sich daher an, bei seinem Arzt vorzusprechen und sich ein solches Gerät zur Verfügung stellen lassen. Ein wichtiger Indikator wäre es, wenn trotz des Unwohlbefindens am Arbeitsplatz beim Arzt keinerlei dieser Symptome festgestellt werden können und beispielsweise der Bluthochdruck und die Herzaktivität normal ist.

b) Mobbing am Arbeitsplatz: Auswirkungen auf die psychische Gesundheit

Mit diesen Symptomen Hand in Hand einhergehend kommt es auf psychischer Ebene zu innerer Unruhe und psychischen Belastungen aufgrund von den oben genannten körperlichen Symptomen wie Schlafstörungen. Dies kann psychisch zu Depressionen und Burn-out führen.

Für die Entwicklung auf psychischer Ebene ist es im Einzelnen kennzeichnend, dass es bei den Mobbingopfern abhängig von Dauer und Intensität der Verletzungen aufgrund der extremen psychischen Belastung in der Endphase zu schwerwiegenden Persönlichkeitsveränderungen kommt. Besonders häufig ist im Endstadium bei Mobbing-Opfern das psychotraumatische Belastungssyndrom – PTSD – feststellbar.

Zusätzlich werden die Befunde in der Regel geprägt durch extreme Depressionen oder extreme Obsessionen, wobei sich der eine mit dem anderen Zustand abwechseln kann.

Bei den durch Hoffnungslosigkeit, Apathie und emotionale Anästhesie geprägten depressiven Verlaufsformen manifestiert sich regelmäßig eine erhebliche Gefahr des Missbrauchs psychotroper Substanzen und ein erhöhtes Suizidrisiko. Die als traumakompensatorisches Bemühen einzuordnende obsessive Verlaufsform ist geprägt durch permanente Hyperaktivität, suchthaftem Erzählen des eigenen Schicksals und der erlittenen Kränkungen sowie Hypersensitivität gegenüber Unrecht.

c) Auswirkungen von Mobbing auf das Privatleben

Aufgrund des am Arbeitsplatz eingebrannten Vertrauensverlustes in zwischenmenschliche Beziehungen geht dies häufig einher mit einer feindlichen und misstrauischen Haltung gegenüber der Welt. Selbst gegenüber der Familie und Freunden kommt es zu einer ablehnenden Haltung und einer zunehmenden Selbstisolation.

Dies kann zu einem völligen Wegbrechen des sozialen Umfelds führen. Auf Grund der bei den Betroffenen im fortgeschrittenen Verlauf durch andere Personen zunehmend wahrnehmbaren querulatorischen Komponente kann dies zudem zu einer Ursache und Wirkung verwechselnden Stigmatisierung führen und die genannten Effekte nochmals verstärken.

Denkbar sind auch beispielsweise Ehekrisen, weil das Mobbing-Opfer den Partner zu stark mit seinen Mobbing-Berichten in Anspruch nimmt. Oft werden dem Mobbing-Opfer Ratschläge erteilt, die das Mobbing-Opfer jedoch nicht in die Tat umsetzt. Dies führt wiederum zu einer Belastung der Beziehung (Beispiel nach Böhme, Mobbing, Beck kompakt, 2. Auflage).

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